Shaolin
少林
"Alle Kampfkünste der Welt sind unter der Sonne Shaolins entstanden."
Chinesisches Sprichwort
Der Ursprung der Shaolin-Kampfkunst
Der Shaolin-Tempel befindet sich unweit der Stadt Dengfeng auf dem Berg Shaoshi des Songshan Gebirges in der Provinz Henan, etwa 80 km von der Provinzhauptstadt Zhengshou entfernt. Der Tempel ist von dichten Wäldern umgeben. Diese Lage bestimmte den Namen: "Shao" ist der Name des Berges und "Lin" bedeutet im Henan-Dialekt "Wald".
Der Tempel wird auch als der "Tempel Nummer 1 unter dem Himmel" bezeichnet. Hier entstand der Chan-Buddismus und die legendäre Shaolin-Kampfkunst.
Die Tempelanlagen wurden Ende des letzten Jahrhunderts sorgfältig restauriert und sind heute ein beliebtes Touristenziel. Das Areal des Tempels ist sehr weitläufig und umfasst neben dem eigentlichen Shaolin-Tempel auch weitere kulturhistorisch bedeutende Stätten, wie etwa den Pagodenwald oder die Dharma Höhle.
Die Mahavira-Halle ist Haupthalle des Tempels. Hier werden die täglichen Zeremonien und die großen buddistischen Feste abgehalten. Im Pagodenwald befinden sich die Grabstätten bedeutender Persönlichkeiten des Shaolin-Tempels. Alle Äbte des Klosters sind hier begraben.
Der südliche Shaolin-Tempel
Es hat in China nachweislich mehrere buddistische Tempel gegeben, die ebenfalls den Namen "Shaolin" führten und in denen Kampfkünste ausgeübt wurden. So hat es auch einen Shaolin-Tempel im Süden Chinas gegeben, der allerdings während der Qing-Dynastie von der kaiserlichen Armee vollständig zerstört wurde. Die überlebenden Mönche begründeten eigene Kampfkunststile, wie etwa das Hung Gar, Wing Chun oder Choy Lay Fut und bewahrten so das Kampfkunsterbe des Tempels.
Kampfkunstschulen, in denen diese Stile unterrichtet werden, verwenden daher häufig auch die Bezeichnung "Shaolin" in ihrem Namen. Mit dem ursprünglichen und heute noch existierenden Shaolin-Tempel in Henan und seiner Kampfkunst haben sie allerdings nichts zu tun.
Im Ahnentempel in Foshan (Provinz Guangdong) werden die bedeutenden Kampfkunstmeister Wong Fei Hung (Hung Gar) und Ip Man (Wing Chun), die beide aus Foshan stammen, in besonderen Ausstellungen gewürdigt.