Shaolin
少林
"Alle Kampfkünste der Welt sind unter der Sonne Shaolins entstanden."
Chinesisches Sprichwort
Der Shaolin-Tempel blickt auf eine 1500jährige wechelvolle Vergangenheit zurück. Shaolin ist nicht nur die Wiege der Kampfkünste, sondern ein ganz besonderer Ort der Religion, Philosophie und Wissenschaft. Das Shaolin Kloster hat viele berühmte Persönlichkeiten hervorgebracht und zu allen Zeiten war der Einfluss auf das politische und kulturelle Leben in China spürbar.
495 Auf Befehl des damaligen Kaisers Hsiaowen wurde der Tempel zu Ehren des indischen Mönches Batuo erbaut.
523 Ein weiterer buddistischer Mönch aus Indien kam nach Shaolin - Bodhidharma. Neun Jahre lang ging er täglich in eine Berggrotte um zu meditieren und ließ sich dabei von Nichts und Niemandem ablenken. Aufgrund dieser Erfahrungen und Erkenntnisse formulierte er die Grundsätze des Chan-Buddismus. Um den Strapazen des religösen Lebens gewachsen zu sein, lehrte er die Mönche eine besondere Gymnastik und Atemtechniken. Damit soll er die Grundlage für die Shaolin-Kampfkünste gelegt haben. Allerdings ist aufgrund fehlender Beweise seine tatsächliche Bedeutung bei ihrer Entstehung umstritten. Unbestritten ist er jedoch der Begründer des Chan-Buddismus, der in den folgenden Zeit in China eine goße Bedeutung erlangte und von dort weiter nach Korea und Japan (dort als Zen-Buddismus bezeichnet) gelangte.
534 Am Ende der Wei-Dynastie wurden zahlreiche Tempel in der Umgebung der Hauptstadt Luoyang zerstört. Sehr wahrscheinlich war auch der Shaolin-Tempel davon betroffen.
728 Eine erste Blütezeit erlebte das Kloster in der Tang-Dynastie. Im Jahr 728 eilten 13 Mönche dem bedrängten Kaiser Li Shimin zu Hilfe. Aus Dankbarkeit versuchte er sie zur Übernahme offizieller Ämter zu bewegen, was sie jedoch ablehnten. Der Kaiser verlieh danach dem Tempel das Recht, eine Gruppe Kampfmönche zur Verteidigung des Klosters auszubilden. In dieser Zeit lebten mehr als 1000 Mönche, darunter 500 Kämpfer, im Shaolin Kloster.
1351 Zum Ende der Yuan-Dynastie, während der Hongjin-Rebellion wurde der Tempel ein weiteres Mal zerstört.
1368 Beginn der Ming-Dynastie. Während der Ming-Dynastie genoss der Shaolin-Tempel hohe Wertschätzung und Förderung durch den Kaiserhof und erlebte einen enormen Aufschwung.
1641 Drei Jahre vor dem Sturz der Ming-Dynastie wurde der Tempel vom Rebellenführer Li Zicheng überfallen. Die Mönche wurden getötet oder vertrieben und der Tempel geplündert. Für Jahrzehnte war der Tempel weitgehend verlassen. Der letzte Abt Yongyu verließ 1664 den Tempel, ohne einen Nachfolger benannt zu haben.
1674 Der Legende nach rettete ein Gruppe von Shaolin-Mönchen Kaiser Kangxi aus der Hand von Nomaden. Allerdings wurden die Kampffertigkeiten der Mönche vom Kaiserhof als Bedrohung empfunden, so dass der Tempel von kaiserlichen Truppen niedergebrannt wurde und viele Mönche getötet wurden.
1704 Der Qing-Kaiser Kangxi schenkte dem Kloster eine vom ihm erstellte Kalligraphie. Das war ein Zeichen, dass der Tempel langsam wieder die Gunst des Kaiserhofes erlangte.
1735 Kaiser Yongzheng und sein Sohn Qianlong beschlossen, den Tempel zu restaurieren. Außerdem durften nur noch geweihte Mönche im Tempel leben. Später verbot Qianlong die Ausübung von Kampfkünsten.
1900 Den Shaolin-Mönchen wurde (wahrscheinlich zu Unrecht) eine Verwicklung in den Boxer-Aufstand nachgesagt. Sie sollen den Aufständischen Kampfkünste gelehrt haben. Das Ansehen des Tempels hat darunter erheblich gelitten.
1928 Der Tempel geriet zwischen die Fronten rivalisierender Kriegsherren und wurde von General Shi Yousan fast vollständig niedergebrannt. Viele Teile des Tempels wurden erst zum Ende des letzten Jahrhunderts wieder aufgebaut.
1966 Nach Ausbruch der Kulturrevolution waren buddistische Tempel eines der vorrangigen Ziele der roten Garden. Die wenigen noch verbliebenden Shaolin-Mönche waren Repressalien ausgesetzt und wurden interniert. Im Tempel vorhandene Kunstschätze wurden gestohlen oder zerstört. Das Ende des Shaolin-Tempels schien besiegelt.
1982 Der Film "Shaolin Shi" mit dem Filmdebüt von Jet Li (Li Lianjie) kam in die Kinos und wurde ein großer Erfolg in ganz China. Plötzlich war Shaolin bekannt und sehr populär. Die Besuchszahlen explodierten förmlich. Die chinesische Regierung ließ den Tempel daher wieder aufbauen und erlaubte auch die Ausübung des Buddismus.
1999 Shi Yongxin wird Abt des Tempels. Unter seiner Regie wurden viele Anstrengungen unternommen, um Kultur und Traditionen der Shaolin wiederzubeleben. Im Jahre 2001 ließ er, bis auf eine Ausnahme, alle Kampfkunstschulen vom Gelände des Tempels entfernen, da sie nach seiner Auffassung keine Verbindung zum Tempel hatten und daher die traditionellen Werte schädigten.